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 Chronik

Oberringingen aus Hochdorfer Sicht
Aus dem Ries kommend ein Blick nach Oberringingen

 Oberringingen (502m) liegt 9 km leicht nordwestlich von Bissingen im oberen Teil des Kesseltales über dem Tal des Fohlenbaches, eines linken Kesselzuflusses.

Luftbild von Oberringingen 1943

Älteste Bodenfunde aus der Flur von Oberringingen entstammen der Jungsteinzeit. Oberringingen wird erstmals 1262 als "superior villa Ringingen" genannt. Der Ort dürfte eine frühere Ausbausiedlung sein, welche wohl von Unterringingen aus angelegt und auch von dort her benannt wurde. Nach der Höhenlage und nach der Lage zum Lauf des Fohlenbachs wurden die beiden Ringingen (= zu den Leuten eines Ringo) durch die Hinzufügung von ober und unter unterschieden.
Die ältere Besitzgeschichte ist nicht klar. Im Jahre 1262 erwarben hier die
Grafen von Oettingen


vom Kloster Ellwangen Besitzungen, welche dann möglicherweise 1445 an die Herrschaft Diemantstein verkauft wurden (1 Hof und 3 Hofstätten). Von den Grafen von Oettingen ging weiterer Grundbesitz zu Lehen (anfangs 1 Hof, zuletzt 2 Höfe und 10 Sölden). Diese Lehen befanden sich in Hand von Adeligen (um 1313 Herren von Hohenreichen zu Bissingen, vor 1450 bis 1482 Herren von Weiler, dann Herren von Westerstetten, bis 1568 Schertlin, hierauf die Herren von Bemelberg und seit diesen zur Herrschaft Hohenburg-Bissingen gehörend).
Von Schertlins  Besitzvorgängern wurde auf diesem Besitz ein Schloss erbaut, welches aber um 1700 wiederum abgebrochen wurde. Spärliche Mauerreste bezeichnen heute noch den Standort. Es stand in der Nordwestecke des Ortes (heutige Flurbezeichnung "Schloßgarten" mit geringstem Restmauerwerk).
(Die von Westerstetten 1352 in Altenberg = Syrgenstein genannt.)
19.02.1543 von Berchtold von Westerstetten an Philipp Schenk von Winterstetten verkauft.
18.06.1556 verkauft von diesem an Ludwig Schertl von Burtenbach (Schertlin).

Schertlin von Burtenbach

Schertlin von Burtenbach >>>



1561 fast Krieg mit Graf Ludwig von Oettingen und Ludwig Schertlin. Der Kaiser musste vermitteln.
23.08.1568 verkauft von Sebastian Schertlin an Kunrad von Bemmelberg (auch Bemelberg), an den Schertlin auch die Herrschaft Hohenburg-Bissingen verkauft.
21.06.1661 erwirbt das Schloss mit allen Zugehörungen Graf Ernst von Oettingen-Wallerstein. Dort bleibt es im Besitz bis 1700.
1700 - Das Schloss wird abgebrochen und der Grundbesitz an Privat verkauft.

Schäfer nördl. von Oberringingen
 Nähe zu früherem Schloss

Am Grundbesitz zu Oberringingen war auch seit alters die Herrschaft Hochhaus beteiligt (um 1575 1 Hof und 3 Sölden), seit 1568 die Herrschaft Hohenburg sowie schließlich die Johanniterordenskommende Kleinerdlingen. Ursprünglich gehörte Oberringingen in kirchlicher Hinsicht zur Pfarrei des oberen Kesseltals, zu Unterringingen. Seit der Einführung der Reformation zu Unterringingen (1556) war Oberringingen entsprechend den verschiedenen Grundherrschaften auch konfessionell gespalten. Die protestantischen Untertanen der Herrschaft Hochhaus gehörten auch fernerhin zu Unterringingen, während die katholischen Hintersassen der Herrschaft Hohenburg (seit1568) nach Fronhofen und die der Herrschaft Diemantstein (seit 1629) nach Diemantstein eingepfarrt waren. In pfarrlicher Hinsicht gehören die Katholiken heute (2002) nach Fronhofen.

Die Flurbereinigung, bei der 413 ha eingelgt waren, wurde am 14.08.1957 angeordnet. die besitzeinweisung erfolgte am 20.09.1963. die Gemarkung von Oberringingen, die von 5,15 qkm bebildet wird, hat einen kleinen Anteil an dem Landschaftsschutzgebiet "Oberes Kesseltal".

1 km nordöstlich von Oberringingen liegt auf der Jurahöhe an der Durchgangsstraße vom Donautal ins Ries der Weiler Hochdorf  >>> siehe Hochdorf der aus den ursprünglichen Siedlungen Hochdorf und Maushof besteht und ebenfalls
zu Oberringingen gehört.

2 km nordwärts von Oberringingen lag am Waldrand das fürstlich-oettingische Jägerhaus, das um die Jahrhundertwende erbaut worden war und welches 1987 der Spitzhacke zum Opfer fiel.

Abgegangen ist in der Flur Oberringingen, und zwar nahe der westlichen Gemarkungsgrenze, die Einöde Haid. Diese wurde 1728 als Wasenmeisterei für die Orte Oberringingen, Zoltingen, Hochdorf, Warnhofen und Diemantstein errichtet und nach dem Flurnamen Haide benannt. Abgegangen ist Haid gegen 1900.

 

Quelle:
Der Landkreis Dillingen a.d.Donau
  > in Geschichte und Gegenwart <
Herausgegeben vom Landkreis Dillingen a.d.Donau.
3. Neubearbeitete Auflage
Im Selbstverlag des Landkreises Dillingen 2005

altes Strohhaus in Oberringingen um 1920


Strohhaus um 1920

 

Kriegerdenkmal

In der Ortsmitte an der Rückseite der alten Dorfschmiede erinnert ein
Kriegerdenkmal an die Gefallenen des zweiten Weltkrieges.

 

Blick nach Hochdorf  ca. 1940
im Hintergrund Hochdorf

Hauen und Stechen am Bissinger Markttag

Bissingen  - von Helmut J. Herreiner

Nicht nur friedliches Markttreiben gab es in der mehr als 725-jährigen Marktgeschichte Bissingens zu erleben. Im 16. Jahrhundert trugen die Grafen von Oettingen ihre Fehden mit dem Bissinger Schlossherren Sebastian Schertlin einmal sogar mitten in das Marktgeschehen hinein.

Nach dem Erwerb der Herrschaft Hohenburg-Bissingen durch den berühmten Landsknechtsführer Sebastian Schertlin von Burtenbach im Jahre 1557 hatte dieser immer wieder harte Auseinandersetzungen mit dem Grafen Ludwig von Oettingen, genannt "Igel", zu bestehen. Der Anlass hierfür waren immer wieder Streitigkeiten um Hoheits- und Jagdrechte in und um Bissingen.

Überfall an Himmelfahrt

Für Sebastian Schertlin und seinen Sohn Hans Sebastian kam es dennoch unerwartet, dass am Feiertag Christi Himmelfahrt im Jahre 1561, dem traditionellen großen Jahrmarktstag in Bissingen, ein Überfall des Oettingers auf die friedlichen Marktbesucher stattfand. Der Jahrmarkt mit den zahlreichen Marktbuden, mit Musik und Tanz am heutigen Lindenberg war wie gewohnt in vollem Gange, als plötzlich eine große gräfliche Truppe mit etwa 300 Fußsoldaten und 40 Berittenen auftauchte. Diese stachen und schossen den Aufzeichnungen nach auf die beiden Schertlins und den Vetter Sebastians, Ludwig von Oberringingen, ein.

Es kam zu schweren Auseinandersetzungen, die damit endeten, dass sich die Bissinger durch das Tor am Lindenberg zum Schloss zurückzogen. Die Oettinger verbrachten die Nacht im nahen Unterbissingen und rückten am nächsten Morgen erneut an, um nach einem neuerlichen Scharmützel abzuziehen.

Das Verhältnis zwischen der Familie Schertlin und dem Grafen von Oettingen blieb auch in der Folgezeit gespannt. Graf Ludwig "Igel" von Oettingen setzte Ludwig Schertlin von Oberringingen ein Zollhäuslein vor die Nase, das dieser von seinen Mannen niederreißen ließ. Daraufhin erschien der "Igel" am 3. Oktober 1561 mit einer Armee von 1500 Soldaten und fünf Geschützen vor Ludwig Schertlins Schloss in Oberringingen. Bei dem Beschuss des Schlosses von 7 Uhr morgens bis 6 Uhr nachmittags wurden die Turmzimmer zerschossen, "alle Fenster, Öfen und Dächer in Trümmer gelegt" und zwei Personen getötet. Tags darauf zog der Oettinger wieder ab, nicht ohne seinen Zorn noch an dem Ort Oberringingen ausgelassen zu haben.

Sebastian Schertlin schrieb dazu in seinen Lebenserinnerungen über den ungeliebten Nachbarn: "Er hat meinem Vetter Ludwig seinen Vorhof und das ganze Dorf verwüstet, zerschlagen, geplündert und alles, Weiber und Kinder, genommen, gestohlen, geraubt, hinweggeführt, getrieben und getragen." Als Folge davon zog Sebastian Schertlin 7000 Soldaten zu Fuß und zu Pferd zusammen, um über die Donau zu ziehen und den Grafen von Oettingen aus seinem Land zu vertreiben. Als Ludwig "Igel" erfuhr, dass selbst seine eigenen Brüder gegen ihn Stellung bezogen hatten, floh er außer Landes. Es bedurfte der Vermittlung des Kaisers, des Herzogs Albrecht von Bayern und der Reichsstadt Augsburg, um einen drohenden Krieg noch zu vermeiden. Die Schertlins und die Oettinger blieben verfeindet, bis Konrad von Bemelberg im Jahre 1568 die Herrschaft Hohenburg-Bissingen und das Schloss zu Oberringingen von der Familie Schertlin erwarb.

Mehr übers Kesseltal, die früheren Verhältnisse und das Leben damals in:
Volks- und landeskundliche Beschreibungen aus dem Landkreis Dillingen
Die Physikatsberichte der Landgerichte
Bissingen, Lauingen, Dillingen und Wertingen
(1858-1861)
Georg Simnacher zum 70. Geburtstag
Bearbeitet von Gerhard Willi
Wißner - Verlag Augsburg
...hier ein Ausschnitt aus dem hochinteressanten Buch:
Der aus 4 Haushaltungen bestehende Weiler Hochdorf gehört ebenfalls zu Oberringingen. Oberringingen ist paritätisch; die Protestanten sind nach Unterringingen, die Katholiken nach Fronhofen und Diemantstein eingepfarrt.
Die Einwohnerzahl beläuft sich auf 226.
In grauem Alterthume hatte Ritter Sebastian Schertl von Burtenbach dasselbst ein Schloß, von dessen Verfall wir keine Urkunde besitzen. Glaubwürdig ist, daß auch diese Burg - gleich der Hohenburg und anderer unzählbaren Festungen im Schwedenkriege vernichtet wurden.
...über die Beschäftigung der Bewohner im Jahre 1858-1861.
Ackerbau und Viehzucht ist daher die allgemeinste, man möchte sagen, ausschließliche Beschäftigung. Der Landbau wird mit größtem Fleiße betrieben, was bei dem schweren, naßkalten thonigen Boden gewiß noththut, wenn sich einer notdürftig durchbringen und ehrlich leben will. Die Viehzucht, als zweite Hauptbeschäftigung, wird und kann jedoch nicht mit wünschenswerthem Umfange betrieben werden. Der Wiesbau ist nämlich ein sehr geringer und wenn auch Jeder ein oder zwei Wiesgrundstücke besitzt, so ist dies doch bei den meisten nichthinreichend, sein Vieh zu ernähren: derselbe ist daher gezwungen, täglich in die benachbarten Waldungen zu streifen und dort Gras zu sammeln, um damit während des Sommers sein Vieh zu erhalten und das wenige Heu und Stroh auf den Winter sparen zu können.
Im Winter beschäftigt man sich fast allgemein mit Spinnen; nur jüngere Männer suchen in den königlichen und fürstlichen Waldungen beim Holzschlage einige Gulden zu verdienen. Im Frühjahre finden jüngere Leute, namentlich Mädchen, Beschäftigung und einigen Verdienst bei den Forstkulturen. In der Sommerzeit ist die Heu- und Getreideernte die wahre Zeit des Erwerbes. Da gibt es Arbeit über Arbeit und jeder Arbeiter ist gesucht.
Da von der Arbeit die Rede hier ist, muß man einer aus den verschiedenartigsten Menschen zusammengewürfelten Gemeinde erwähnen. Es ist der Ort Diemantstein. In dieser Gemeinde lieben die Wenigsten eine ordentliche, längere Arbeit. Die Bewohner dieses Ortes sind wahre Zugvögel. Beim ersten Wehen eines Frühlingswindes zieht die Bevölkerung, wenigstens die Hälfte hinaus in Gottes Welt, zerstreut sich in allen Gauen und Winkeln des gemeinsamen Vaterlandes und sucht sich auf erlaubte und unerlaubte Weise Geld und Brod. Krämer, Musikanten, Taschenspieler, Komödianten, Wunderdoktore, Photographen, kurz Menschen jeden Gelichters bilden das auszugsgenöthigte Contingent...........